Erwerbungsgeschichte

„Hier ein Packen Papier – Sie werden ja wohl nicht erwarten, daß dies alles ist!“ schrieb 1997 Margot Fürst, die Sachwalterin des Grafikers und Holzschneiders HAP Grieshaber an die Akademie der Künste und signalisierte damit ihre Bereitschaft, dem 1994 gegründeten Archiv Bildende Kunst einen bedeutenden Nachlass der deutsch-deutschen Kunst- und Akademiegeschichte zu überlassen.

HAP Grieshaber, Arbeits-Buch Engel der Geschichte IV, (1969–1979), Innentitel

George Grosz und Eva Peter, „Frauenmord“-Inszenierung, um 1920

Berthold Viertel, Oskar Kokoschka, Fred Uhlman im Exil, London 1939

Das HAP-Grieshaber-Archiv reiht sich beispielgebend in die Erwerbungen der Anfangszeit ein, die unmittelbar nach der Akademievereinigung den Sammlungskurs der Abteilung bestimmten und zu denen die Archive des Kunsttheoretikers und Publizisten Wolfgang Max Faust, des Bildhauers und Akademiemitglieds Werner Stötzer und das Schriftgutarchiv von George Grosz, dem wichtigsten Vertreter der dadaistischen Kunstszene der Weimarer Republik, gehörten. Das George-Grosz-Archiv wird durch die Bestände seines Berliner Bekannten- und Freundeskreises um den Bildenden Künstler und Fotografen Erwin Blumenfeld und dem Grafiker und Maler Otto Schmalhausen ergänzt.

Den Grundstock der Abteilung bildeten in den 1990er Jahren die im Archiv der Ostakademie bewahrten schriftlichen Nachlässe des Künstlerpaars Hans und Lea Grundig und des Fotomonteurs John Heartfield Aus der Akademie der Künste (West) kamen die Archive der Bildhauerin Käthe Kollwitz und des Malers und Grafikers Lovis Corinth dazu.

Mit gezielten Erwerbungen wurden die bereits vor der Archivzusammenführung vorhandenen Nachlässe von verfolgten und in die Emigration getriebenen bildenden Künstlerinnen und Künstlern ergänzt. So finden die Nachlässe der nach 1933 aus Deutschland nach England, Frankreich, Palästina, in die Tschechoslowakei oder in die UdSSR geflüchteten Künstlerinnen und Künstler Ellen AuerbachTheo BaldenEllen BernkopfBenno Elkan, Eugen Spiro, Heinrich Vogeler und Heinz Worner eine neue Heimstätte im Berliner Akademie-Archiv.

Die 1994 notwendig gewordene Sicherung des Archivs des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands/DDR war Ausgangspunkt für eine – bis heute anhaltende – Erwerbungsreihe der Archive der wichtigsten bundesdeutschen und Berliner Kunstinstitutionen wie dem Deutschen Künstlerbund, dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler und dem berufsverband bildender künstler*innen berlin, dem Verein Berliner Künstler und der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. sowie der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine. Hierbei handelt es sich um eine einzigartige Quellenbasis für die vergleichende Erforschung der Kunstgeschichte seit 1841 bis zur heutigen Bundesrepublik.

Herzstück der Erwerbungen des Archivs Bildende Kunst bilden die historischen und aktuellen personenbezogenen Bestände der Mitglieder*innen und Kollwitz-Preisträger*innen der Akademie der Künste, zu denen u.a. die Archive von Lutz Dammbeck, Otto Dix, Heinrich Drake, Wieland Förster, Philipp Franck, Dieter Goltzsche, Birgit Hein, Wulf Herzogenrath, Alfonso Hüppi, Joachim John, Ludwig Knaus, Gabriele Mucchi, Otto Nagel, Ansgar Nierhoff, Marcel Odenbach, Ulrike Rosenbach, Michael Ruetz, Michael Schoenholtz, Gustav Seitz, Carl Steffeck, Rolf Szymanski, Herbert Tucholski und Hans Vent zählen. Beim überwiegenden Teil dieser Vor- und Nachlässe mit dem Schwerpunkt 20. und 21. Jahrhundert handelt es sich um Schenkungen.